Taekwondo Club Ingelheim
Der Verein mit dem Kick

Sport- und Bewegungstag

Von Bastian Hauck

FREI-WEINHEIM - „Können wir jetzt jede Woche so Sport machen?“ Melinas Frage enthält das größte Kompliment für den Sport- und Bewegungstag, der heute auf dem Stundenplan der dritten Klassen der Brüder-Grimm-Schule (BGS) steht. Es ist nicht irgendein Sport, sondern Taekwondo und Tanzen, mit den amtierenden „Sportlern des Jahres 2016“. „Für die Kids ist es etwas Besonderes, mit Spitzensportlern Sport zu machen“, freut sich Sasan Dalirnejad, der den Sport- und Bewegungstag an den Ingelheimer Grundschulen organisiert.

Die Spitzensportler Meike und Lena Unrau (deutsche Vizemeisterin beziehungsweise Vize-Europameisterin im Jugendbereich) vom Taekwondo Club Ingelheim (TCI) sowie Ellen Lindemann und Manfred Lehne (Europameister im Discofox) vom Tanzsportclub Ingelheim (TSC) sind an diesem Morgen an die BGS gekommen, um mit den Drittklässlern Sport zu treiben und ihnen ihre Sportart vorzustellen. „In den dritten Klassen sind die Schüler oft noch experimentierfreudig. Viele haben noch keine feste Sportart für sich entdeckt. Durch den Tag bekommen sie die Chance dazu“, beschreibt Dalirnejad das Ziel des Bewegungstages, der inzwischen zum festen Terminplan der Grundschulen in der Rotweinstadt gehört.

Und so legt das TSC-Tanzpaar mit den Grundschülern und Petra Lindemann, die das Paar als TSC-Jugendtrainerin unterstützt, die ersten Tanzschritte auf das Parkett der Sporthalle. Ellen Lindemann tanzt mit den Mädchen. Manfred Lehne übt mit den Jungen. Auch sie sind ganz in ihrem Element. „Lion stöhnte zuerst, als er hörte, dass heute Tanzen auf dem Programm steht. Ich habe ihm versichert, dass es voll in Ordnung ist, wenn er sagt, dass es nicht seine Sportart ist. Aber er sollte es sich zumindest einmal anschauen. Und jetzt? Jetzt macht er voll mit“, freut sich Lehrerin Christina Grom, die das Tanztraining vom Seitenrand beobachtet. Auch Tanz-Europameisterin Ellen Lindemann ist angetan: „Wir sind positiv überrascht, wie gut sich die Kinder bewegen und die Musik fühlen. Sie reißen uns mit ihrer Freude richtig mit.“

Während in der einen Hälfte das Tanzbein geschwungen wird, fliegen im anderen Teil der Halle schon die Fäuste. Die Landesmeisterinnen Meike und Lena Unrau zeigen den Drittklässlern Taekwondo-Grundhaltungen. Dann der erste Fußtritt im Sprung, natürlich sind die beiden Sportlerinnen dabei mit Brustpanzer und Helm geschützt. Die Kinder sind begeistert. Anschließend sind sie selbst dran und dürfen sich im Taekwondo versuchen. „Es ist cool. Wir lernen, wie man richtig kämpft“, erzählt Maurice euphorisch.

Egal, ob Tanzen oder Taekwondo: Die Grundschüler machen mit, toben sich aus und sind von den neuen Sportarten entzückt. Der Sporttag kommt wieder an, auch mit der auf den ersten Blick ungewöhnlichen Kombination Tanzen und Taekwondo. „Die beiden Sportarten passen wunderbar zusammen. Bei beiden werden die koordinativen Fähigkeiten angesprochen, die Kids müssen balancieren und reaktionsschnell sein“, resümiert Petra Lindemann.

Neue Sportler des Jahres – neue Sportarten an Schulen

Diesen Freitag steht eine neue Sportlerwahl an. Mit ihrem Ausgang entscheidet sich, welche „Sportler des Jahres“ dann an die Grundschulen kommen. Ob Organisator Dalirnejad, der selbst im Taekwondo erfolgreich ist, bestimmten Sportlern für die anstehende Wahl schon die Daumen drückt? „Nein, ich bin da unvoreingenommen und freue mich über jeden Sport, der an die Schulen kommt. Am Ende zeichnet sich ja auch ein bisschen ab, wer gewinnen wird.“

Die BGS-Schüler dürften der Sportlerwahl mindestens genauso gelassen entgegensehen. Immerhin gibt es dann für sie wieder neue Disziplinen zu entdecken. Zum Abschluss des Sporttages performen sie lieber noch einmal ihre Tanz-Choreografie, als Schulleiter Klaus Großmann fragt, wer etwas vortanzen kann. Mittendrin bei der spontanen Tanzeinlage ist übrigens Lion. Er will sich gleich im Anschluss für die Tanz-AG der BGS anmelden.

Der Sport- und Bewegungstag an den Ingelheimer Grundschulen geht in eine neue Runde. An der Theodor-Heuss-Grundschule präsentierte diesmal die "Ingelheimer Sportlerin des Jahres 2016" Lena Unrau zusammen mit ihrer Schwester Meike ihre Sportart Taekwondo. Die Grundschüler waren sehr angetan von dem können der Beiden und versuchten bei den nachfolgenden Übungen ihnen nachzueifern. 

Lena und Meike präsentieren den Schülern die Schutzausrüstung

Auch an der Präsident Mohr Grundschule kam der Sport- und Bewegungstag bei den Schülern gut an. Für den Part Taekwondo standen erneut Ingelheimer Sportlerin des Jahres Marilena Werth und Hicham Massaoudi Pate.

Autogramme heiß begehrt

TCI-Sportler Marilena Werth und Hicham Massaoudi erklären den Schülern der Brüder Grimm Grundschule die Taekwondo-Schutzausrüstung

Bericht Allgemeine Zeitung:

Die Kinder aus den dritten Klassen der Brüder-Grimm-Schule haben sichtlich Spaß daran, kraftvoll auf den Körperschutz der Taekwondo- Sportler des TCI Ingelheim Marilena Werth und Hicham Massaoudi einzutreten. Während die beiden von einer Traube schreiender Kinder umgeben sind, wird dennoch immer mal wieder auf die richtige Technik hingewiesen, ehe man sich am Ende dem Ansturm der Kinder nicht erwehren kann und in einem großen Knäuel versinkt.

Spaß soll es machen, die Kinder sollen aktiviert werden, selbst etwas zu tun, den Sport am eigenen Körper zu erleben. Dieses Ziel hat sich der Organisator des Sport- und Bewegungstages Sasan Dalirnejad in Ingelheim gesetzt. Der zweite Sport- und Bewegungstag, den Bürgermeisterin Eveline Breyer am Dienstagmorgen eröffnete, bringt zu diesem Zweck mehrere Ingelheimer Sportlerinnen und Sportler des Jahres an die lokalen Grundschulen, wo sie ihren Sport hautnah erfahrbar machen und sozusagen als Botschafter des Sportes werben. Hervorgegangen ist der Sport- und Bewegungstag aus einer Wanderausstellung zum gleichen Thema, die jedoch bei den Kindern längst nicht so gut ankam.

Die Protagonisten mit Bürgermeisterin und Sportdezernentin Eveline Breyer

„Für viele Kinder ist es ganz neu, was sie mit ihrem Körper alles machen können“, sagt der Sportler des Jahres 2015, Nepomuck Guth. Der erfolgreiche Turner der TuS Ober-Ingelheim, unter anderem Rheinland-Pfalz-Meister und zuletzt dritter der Deutschen Mehrkampfmeisterschaften, zeigt zu Anfang ein paar Übungen: Handstand, Salti, Flickflacks: „Da spürt man sofort die Faszination.“ Dann probieren die Kleinen selbst. Erstmal eine Rolle. Dann vielleicht ein paar Schwünge am Barren. Und zum Schluss geht es aufs Trampolin. Eindeutig der Höhepunkt dieser Einheit. „Für viele Kinder ist Sport außerhalb der Schule eindeutig keine Priorität“, stellt Guth fest. „Die erleben dann hier, wenn ich mit ihnen arbeite, tatsächlich etwas ganz Neues.“ Auf diese Weise Interesse wecken, vielleicht auch den einen oder anderen zum Engagement im Verein bewegen, auch das ist ein Ziel des Sport- und Bewegungstags.

Auch Werth und Massaoudi fangen klein an mit den Kindern. Zeigen erstmal die Grundstellung, dann das „Steppen“, die im Taekwondo typische Schritttechnik. Schläge und Tritte folgen. Dass es dabei auch laut wird, ist gewollt: „Die Kraft, einen Schrei rauszulassen, hilft, sich zu konzentrieren und das Letzte aus sich herauszukitzeln.“

Die Europameisterin von 2015 und amtierende Hochschulmeisterin Werth, die früher beim Taekwondo Club Ingelheim auch als Kindertrainerin gearbeitet hat, beobachtet, wie dieser konzentrierte Körpereinsatz auch immer wieder eine beruhigende Wirkung verströmt. Kinder hätten einerseits Schwierigkeiten, aus sich herauszugehen, andererseits gebe es manchmal auch Kinder, die gar nicht wissen, wohin mit ihrer Agression. Der Sport biete für beides ein neues Ventil, eine Möglichkeit, sich auszuleben.

Am Ende gibt es viele Autogrammwünsche

Das ist auch für Dalirnejad ein wichtiger Aspekt des Sport- und Bewegungstags. „Wenn Kinder sportliche Vorbilder in Aktion sehen“, ist Dalirnejad überzeugt, „dann lassen sie sich auch selbst begeistern. Dann wollen sie das nachmachen“. Gerade dadurch, dass die drei beteiligten Sportler auch noch alle Studium oder Ausbildung und Leistungssport unter einen Hut brächten, werde zudem vermittelt, dass Schulalltag und Sport trotz mancher Schwierigkeiten vereinbar seien.

Die zahlreichen Autogrammwünsche, die die Grundschüler im Anschluss an die Sportler richten, geben Dalirnejad Recht. Die ersten beiden Sport- und Bewegungstage an Brüder-Grimm- und Pestalozzischule seien sehr erfolgreich verlaufen. Nun wolle man mit dem Konzept an alle vier Ingelheimer Schulen, und er hoffe sehr, dass es auch in den kommenden Jahren mit dem Konzept weitergehe.

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